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Die DDR als Trauma

Was macht politische Drangsal und Haft mit der Psyche von Menschen? Zum wiederholten Mal sprach der Berliner Psychotherapeut Dr. Karl-Heinz Bomberg vor Ärzten und Fachkräften aus Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen der GLG Gesellschaft für Leben und Gesundheit sowie interessierten Gästen über eigene Hafterfahrungen in der DDR und über die seiner traumatisierten Patienten und zeigte Wege der Bewältigung auf. Kurz vor dem Tag der deutschen Einheit kam er dazu auf Einladung von Chefarzt Dr. Martin Sandner in das Krankenhaus Angermünde.  Er bot Leseproben aus seinem neuen Buch „Heilende Wunden – Die Aufarbeitung politischer Traumatisierung in der DDR“ und trug eigene Lieder vor, begleitet durch Erika Kunz am Keyboard. Einmal mehr wurden die perfiden Unterdrückungsmethoden der Berufsspitzel und Zuträger des DDR-Staatssicherheitsdienstes und von Justizvollzugsbeamten deutlich. Den Widerstand von Menschen zu brechen und dabei deren Leben zu zerstören – was das bedeutet, ist nur denen wirklich klar, die einst mit Leib und Seele in das kafkaeske Mahlwerk der kommunistischen Diktatur gerieten. Viel zu wenig Anerkennung findet die aufrechte Haltung der Betroffenen fast 30 Jahre nach dem Mauerfall immer noch. Auch wenn sie Opfer wurden, haben sie doch mehr Charakterstärke als die Täter bewiesen, die auf ihre Weise selber Opfer sind – Opfer ihrer eigenen Erbärmlichkeit, ihrer armseligen Lebensbilanz, unzählige Menschen verhört, verfolgt, verraten zu haben. Viele Anstöße, Fragen, Gefühle löste dieser Abend aus und bot darüber hinaus fachlich interessante Einblicke in ein psychotherapeutisches Arbeitsgebiet, das wegen nur langsam „heilender Wunden“ aus DDR-Zeiten und neuer seelischer Erschütterungen durch Krieg und politische Verfolgung weiter aktuell bleibt.

 

 


Verfasst am: 08.10.2018